Vorwort zum mineralogischen Teil

Es ist mittlerweile eine unübersehbare Zahl anorganisch chemischer Substanzen bekannt, Elemente und Verbindungen, von denen bisher etwas über 4000 in natürlichen Vorkommen als Mineral entdeckt wurden; jährlich werden etwa 30 bis 90 neue Spezies beschrieben. Ein Anliegen des vorliegenden Lehrbuchs ist es daher, von den Substanzen, die im Formelregister aufgeführt sind, etwa 100 als Mineral bekannte Spezies in Wort und Bild online vorzustellen.

Ein Mineral ist einerseits definiert durch seine chemische Zusammensetzung, andererseits durch seine Kristallstruktur. Aus diesem Grunde wird in der Mineralogie seit jeher großer Wert auf kristallchemische Zusammenhänge gelegt, die in der Mineralsystematik nach STRUNZ („Mineralogische Tabellen“) ihren Niederschlag gefunden haben und international eine Grundlage mineralogischer Arbeit darstellen. Es wurde daher im vorliegenden Teil die Formelschreibweise nach STRUNZ & NICKEL 2001 übernommen, die in Einzelheiten gelegentlich von der in der Chemie üblichen Schreibweise abweichen kann.

Bei der Auswahl Mineralbeispiele konnte auf die umfangreichen mineralogischen Sammlungen der TU Berlin zurückgegriffen werden, die nach über 225-jähriger Geschichte heute eine der größten und bedeutendsten ihrer Art in der Bundesrepublik darstellt, mit etwa 100.000 katalogisierten Stücken und umfangreichem Fundus (nähere Informationen: http://www.mineralogische-sammlungen.de). Es wurde Wert darauf gelegt, auf den Mineralphotos sowohl charakteristische Eigenschaften des jeweiligen Minerals exemplarisch zu zeigen, als auch mineralogische Besonderheiten wie Zwillingsbildungen vorzustellen. Abbildungen von typischen und häufigen Ausbildungen, vor allem bergmännisch gewonnener Rohstoffe, sind wenig aussagekräftig, da sie meist nur „derbe Klumpen“ mit kaum erkennbaren Eigenschaften darstellen. Aus diesem Grunde sind die abgebildeten Stücke meist „Museumsstücke“, auf davon abweichende häufige Erscheinungsformen wird jeweils in der Rubrik „Vorkommen“ gesondert eingegangen. Ferner werden hier die wichtigsten Bildungsbedingungen kurz erläutert, die zur Entstehung der Mineralart führen.

Auch gut ausgebildete natürliche Kristalle sind auf einem Photo in ihrer dreidimensionalen Ausbildung schwer zu erfassen, daher wurden zur Erläuterung zahlreiche Kristallzeichnungen beigefügt. Als Darstellungsform wurde die in der Mineralogie und Kristallographie übliche „Orthogonale Parallelprojektion“ verwandt, die im Unterschied zur perspektivischen Darstellung die Parallelität von Kristallkanten beibehält. Sofern in der Erläuterung nicht anders angegeben, wurde die „Standardaufstellung“ gewählt, mit definierten Dreh- und Kippwinkeln bezüglich der kristallographischen Achsen.

Ein weiteres Kriterium bei der Auswahl der Beispiele war einerseits die technische Bedeutung und Verwendungsmöglichkeit als Rohstoff, andererseits ihre Bedeutung für den Aufbau der Erdkruste, worauf in den Texten ein besonderer Schwerpunkt gelegt wurde.

Die Mineralphotos stammen von den Photographenmeistern des Instituts für Angewandte Geowissenschaften, Frau Monika Günther und Herrn Bernd Kleeberg, denen ich an dieser Stelle ausdrücklich für ihre engagierte Arbeit danken möchte. Mein herzlicher Dank gilt Herrn Dr. Christian Agthe für die kritische Durchsicht und wertvolle Hinweise. Nicht zuletzt möchte ich Herrn Prof. Dr. Christoph Janiak für die Idee und Anregungen zur grundsätzlichen Konzeption dieser Arbeit danken, sowie dem Verlag de Gruyter und dem Büro für Informationsdesign designato!de für die gute Zusammenarbeit.


Susanne Herting-Agthe, Berlin